Möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Zuhause zu führen – diesen Wunsch haben viele ältere Menschen in Siegen-Wittgenstein geäußert als sie im Jahr 2004 danach gefragt wurden, wie sie im Alter leben und wohnen wollen. Diesen Wunsch zu erfüllen, ist eine Herausforderung, die das Engagement verschiedener Akteure braucht. Denn: Im Jahr 2020 werden etwa doppelt so viele 80-Jährige und ältere in Siegen-Wittgenstein leben wie heute. Gleichzeitig wird sich die Bevölkerung um rund 25.000 Einwohner verringern. Somit muss sich eine zahlenmäßig deutlich kleinere aktive Bevölkerung um eine größere Zahl älterer Menschen kümmern.
Vor diesem Hintergrund sind in den vergangenen Jahren in den Städten und Gemeinden eine Reihe von Aktivitäten, Initiativen und Projekten entstanden, die eines sehr deutlich zeigen: Durch das Knüpfen von Netzwerken zwischen dem haupt- und ehrenamtlichen Bereich kommen der Kreis, die Städte und Gemeinden mit vielfältigen haushaltsnahen und pflegeergänzenden Angeboten bei den Menschen an. Und zwar weit vor erforderlichen gesetzlichen Pflegeleistungen. „Leben und Wohnen im Alter“ ist damit dank nach dem kreativen und innovativen Engagement unterschiedlicher Akteure ein Erfolgsmodell! Das kommunale Engagement in der Pflege-, Alten- und Familienpolitik ist ein Beweis dafür, dass den Verantwortlichen in Siegen-Wittgenstein eine aktive Zukunftsgestaltung am Herzen liegt. Denn die Zukunftsinitiative „Leben und Wohnen im Alter“ trägt nicht allein dazu bei, möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu garantieren, sondern auch Siegen-Wittgenstein als attraktiven Familien-, Lebens- und Arbeitsstandort weiterzuentwickeln.
Im Rahmen von „Leben und Wohnen im Alter“ sind beispielsweise in jeder Stadt und Gemeinde in Siegen-Wittgenstein Senioren-Service-Stellen als zentrale Ansprechpartner für alle seniorenspezifischen Anliegen eingerichtet worden. Im Kreis muss daher niemand mehr von Pontius bis Pilatus laufen, um zu erfahren, wo er welche Unterstützung bekommt. Ein weiteres Beispiel dafür, dass bei der Neugestaltung der regionalen kommunalen Sozialpolitik nicht allein das Augenmerk auf den Ausbau von gut qualifizierten Pflegeleistungen im Falle von Pflegebedürftigkeit gelegt wird, sind die präventiven Hausbesuche. Sie werden jedem Bürger ab dem 75. Lebensjahr angeboten und sollen durch gezielte Beratung dazu beitragen, frühzeitig die richtigen Vorkehrungen für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus zu schaffen. Viele andere entlastende Angebote, wie Hilfen bei der Gartenarbeit oder bei der Erledigung des Wocheneinkaufs, stehen beispielhaft dafür, wie ältere Menschen in Siegen-Wittgenstein ganz praktisch bei ihrer Alltagsbewältigung unterstützt werden können. Wenn die Betreuung und Pflege in einer stationären Einrichtung tatsächlich erforderlich werden sollte, können die Senioren und ihre Angehörigen in Siegen-Wittgenstein auf das Angebot von rund 30 Alten- und Pflegeheimen - einschließlich Heimen für Kurzzeitpflege - zurückgreifen.
Neben einer Vielzahl von Pflegeleistungen und niedrigschwelligen Angeboten stehen auch die pflegenden Angehörigen im Blickpunkt der regionalen kommunalen Sozialpolitik. Eine gezielte Hilfe für Pflegende sind etwa die Entlastungsdienste, die es mittlerweile fast in jeder Stadt und Gemeinde gibt.
„Leben und Wohnen im Alter“ ist auch deshalb ein Erfolgsmodell, ist auch deshalb so erfolgreich, weil sie abgesehen von der qualitativen Verbesserung der Lebenssituation älterer Menschen auch wirtschaftlich den Kreishaushalt entlastet und damit auch nicht unwesentlich die Haushalte der Städte und Gemeinden. Durch den Ausbau von ambulanten – und damit auch preiswerteren – Hilfs- und Betreuungsangeboten hat der Kreis Siegen-Wittgenstein seit dem Jahr 2005 jährlich rund 3,4 Millionen Euro weniger für die Pflege und Betreuung älterer Menschen ausgegeben. Gleichzeitig wurden in dieser Zeit 50.000 Pflegestunden mehr geleistet und 35 Stellen zusätzlich geschaffen.
Kontakt:
Reiner Jakobs
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